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Institut für Entrepreneurship & Innovation - GründerUni Bayreuth

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Footprint Technologies - Digitales Füße messen für den perfekten Schuh

Dr. Matthias Brendel, Alumni der Uni Bayreuth, wie es zu der Idee kam und weitere Einzelheiten zu ihrer Gründungsgeschichte: 

Footprint Technologies GmbH - Ihre Mission:  Einen digitalen Schuhgrößenberater entwickeln, der das Kauferlebnis im Onlineschuhhandel individueller und nachhaltiger gestaltet. Durch die Integration der B2B-Software-Lösung reduzieren Onlinehändler ihre Retourkosten, verbessern gleichzeitig das Einkaufserlebnis ihrer Kund:innen, sowie ihre CO2-Bilanz.

Mehr als die Hälfte aller in Onlineshops gekauften Schuhe werden zurückgeschickt. Davon sind 75% auf die falsche Größe zurückzuführen. Einerseits verursacht diese enorme Menge von Rücksendungen erhebliche Kosten bei den Onlinehändlern, die im Schnitt 20% ihres Umsatzes für Rücksendungen aufwenden. Andererseits werden durch diese unnötigen und vermeidbaren Rücksendungen CO2-Emissionen von immerhin 100.000 t pro Jahr alleine in der DACH-Region erzeugt.

Zur Lösung dieses Problems hat Footprint Technologies eine webbasierte Software as a Service (SaaS) Lösung entwickelt, die beim Onlinehändler implementiert wird. Die Nutzer:innen dieses Shops können dann mit ihrem Smartphone oder Tablet Länge und Breite ihrer Füße auf den Millimeter genau zu Hause vermessen. Diese Abmessungen werden mit den exakten Schuhinnenmaßen in einer Datenbank vergleichen und mit dem Matching-Algorithmus die perfekte Größe des gewünschten Modells gefunden.

Was können Sie aus Ihren Erfahrungen die Gründung betreffend (auch aufgrund ihrer Erfahrung bei Audi Denkwerkstatt) an Interessierte (Studierende) weitergeben?

Mit einer eigenen Idee ein bestehendes Problem von Menschen zu lösen, fasziniert mich jedes Mal aufs Neue: seit meiner ersten Gründung mit 17 Jahren und bis heute immer wieder.

  • So früh wie irgend möglich Feedback von potentiellen Kund:innen einzuholen, schafft schnell Klarheit und Fokus auf den relevanten Produktkern, wir haben bei Footprint schon 9 Monate vor der Gründung mit unseren ersten potentiellen B2B-Kunden gesprochen, das war entscheidend für unseren weiteren Weg…
  • Im Gegensatz zu Innovationsaktivitäten in großen Unternehmen oder Organisationen bedeutet Gründen auf der grünen Wiese einfach anzufangen und sehr schnell und mit wenig bürokratischen Hürden die notwendigen Schritte zur Umsetzung des eigenen Geschäftsmodells zu unternehmen. Vieles geht unkomplizierter und dramatisch schneller, dafür muss man sich aber auch um alles selbst kümmern.
  • Sequentielle Fokussierung auf die gerade wichtigsten Herausforderungen ist essentiell.
  • Klare Aufgabenteilung im Gründerteam, damit die limitierten Ressourcen nicht durch Doppelarbeit oder vermeidbare Abstimmungsrunden verschwendet werden.
  • Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen: Gesellschafterverträge, Abwicklung von Finanzierungsrunden und Steuererklärungen von einem Profi machen lassen (also von einer Kanzlei, die sich mit Startups auskennt). Das erscheint teuer, zahlt sich langfristig aber aus. Ich habe schon viele Unternehmen scheitern sehen, weil genau daran gespart wurde und sie dadurch einige Jahre später in eine Sackgasse kamen, die mit einem Notverkauf oder einer Insolvenz endete.

Was war das ausschlaggebende Ereignis für die Gründungsidee?

  • Weil mich die Verknüpfung von Technologie und Nachhaltigkeit schon immer fasziniert hatte, habe ich von 2002 bis 2007 Umweltingenieurwesen studiert: bei Footprint Technologies nutzen wir Computer Vision und Künstliche Intelligenz (KI) dafür, Menschen bei der Auswahl des passenden Schuhs beim Onlinekauf zu unterstützen. Damit machen wir das Einkaufserlebnis für den User besser, für unsere Kunden – die Onlineshops effizienter, weil wir ihr Problem der größenbedingten Rücksendungen reduzieren und schließlich tragen wir durch die Einsparung unnötiger Hin- und Rücksendungen zu einem nachhaltigeren Onlinehandel bei.
  • Das eigene Problem: Schuhe online bestellen hat bei meiner Fußform noch nie gut funktioniert: Ich habe meistens alle bestellten Größen wieder zurückgesendet, weil meine Füße dann doch zu breit/zu hoch für die ausgewählten Schuhmodelle waren. Im Dialog mit meiner Schwester und durch meine damals dreijährige Nichte, habe ich gemerkt, dass eine Lösung für die Vermessung von Kinderfüßen, die ja stetig wachsen, noch viel wichtiger ist.
  • Wir konnten drei essentielle Fragen mit eindeutigem JA beantworten: Gibt es einen Bedarf am Markt? Können wir das Problem der Kund:innen technisch lösen? Sind wir das richtige Team, um das zu tun?

Wie hilfreich war/ist ein Netzwerk für ihre Gründung?

  • Netzwerk ist das Wichtigste: Nahezu jedes Problem, das als Gründer vor mir liegt, haben andere schon gelöst: von solchen Menschen Rat einzuholen, Unterstützung anzunehmen und zu lernen, beschleunigt den Prozess sehr stark. Ein Netzwerk lebt auch immer und erweitert sich ständig. Schon während der viereinhalb Jahre, in denen ich die Audi Denkwerkstatt in Berlin aufgebaut hatte, habe ich ein sehr starkes und vielfältiges Netzwerk aufgebaut. Als ich im November 2020, dann Vollzeit CEO bei Footprint Technologies wurde, hat sich mein Netzwerk schlagartig erweitert, weil ich auf einmal ganz neue Herausforderungen hatte und dadurch andere Fragen gestellt habe, die mich dann zu neuen Menschen geführt haben. Um ein starkes Netzwerk aufzubauen, ist es wichtig die „Give-First-Mentality“ zu leben, dann bekommt man sehr schnell noch mehr zurück, als man selbst gegeben hat.

Ist es Ihrer Meinung nach einfacher, alleine zu gründen oder doch lieber im Team?

  • Gemäß dem afrikanischen Sprichwort "Wenn du schnell gehen willst, gehe alleine, wenn du weit kommen willst, gehe gemeinsam" empfehle ich eine Gründung im Team. Wichtig sind komplementäre Fähigkeiten und Charaktereigenschaften, um bessere Entscheidungen zu treffen. Meiner Erfahrung nach, besteht das ideale Gründungsteam aus zwei oder drei Personen, die sich gegenseitig auch in schweren Zeiten gegenseitig stützen und motivieren. Footprint Technologies habe ich mit Carolin und Muhammad Ali gegründet, die ich beide schon mehrere Jahre aus unserer gemeinsamen Zeit in der Audi Denkwerkstatt kannte. Wir sind sehr unterschiedliche Charaktere mit äußerst unterschiedlichen Perspektiven. Das macht es nicht immer einfach, führt uns aber zum bestmöglichen Ergebnis. Diversität in Teams fordert uns Menschen, weil wir uns kognitiv und emotional mit unterschiedlichen Standpunkten auseinandersetzen müssen, dadurch sind wir wach und geben unser Bestes, sodass das Gesamtergebnis umso besser wird.

Welche Lehrangebote im Bereich Entrepreneurship haben Sie an der Universität Bayreuth in Anspruch genommen? Welche hätten Sie sich noch gerne gewünscht?

  • Zu meiner Zeit gab es leider diese Angebote noch nicht. Als Gründungsmitglied von Elefant Racing e.V., konnte ich von 2004 bis 2007 allerdings sehr viel über die Organisation eines Teams und die Führung von unterschiedlichen Menschen lernen. Damals habe ich erfahren, wie man als interdisziplinäres Team ein gemeinsames Ziel erreicht und auch wie man auf dem Weg dahin mit Rückschlägen umgeht.
  • User-Centric-Development war damals leider noch nicht so verbreitet wie heute.

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Verantwortlich für die Redaktion: Sonja Schug

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