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Institut für Entrepreneurship & Innovation - GründerUni Bayreuth

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Placedise

Unsere Alumni (Betriebswirtschaftslehre) Jens Kürschner und Maximilian Böhm gründeten Placedise, ein branded Content Management- und Sales Tool, das in der Lage ist, tausende Zusammenhänge und wissenschaftliche Erkenntnisse über die menschliche Psyche in Sekunden zu analysieren. Zudem verhilft es zu mehr Umsatz durch die automatische Optimierung von Branded Content (wie Product Placement) und Werbespots.

Die Gründungsgeschichte von Placedise

Placedise entstand 2011 als Projekt während des Studiums an der Universität Bayreuth und der University of California Los Angeles. Zu dieser Zeit war es üblich, den Erfolg von Werbung lediglich über Reichweiten- und Recall-Messungen zu bestimmen. Leider sagen diese Zahlen nicht viel über die Qualität einer Maßnahme aus, wenn es um die eigentliche Wirkung der Werbung auf den Konsumenten geht. Daher bestand das wesentliche Ziel darin, Werbemaßnahmen wie Branded Content besser messbar zu machen. Hierzu sollte nicht auf einfache Annahmen gebaut, sondern die vollständige Komplexität von Werbewirkung greifbar gemacht werden.

Gemeinsam mit Experten aus allen Bereichen der relevanten Branchen wurde Placedise von einem Forschungsprojekt zu einem Algorithmus geformt und 2014 das Unternehmen offiziell gegründet. Ihr System ist seitdem in der Lage, tausende Zusammenhänge und wissenschaftliche Erkenntnisse über die menschliche Psyche in Sekunden zu analysieren. Das ermöglicht es ihnen, eine Aussage darüber zu treffen, wie eine Produktintegration den Konsumenten mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflussen wird – und dies entspricht der wahren Qualität.

Da der bloße Algorithmus für die Praxis recht handlich ist, wurde um das Kernsystem herum eine umfassende Software-Suite gebaut. Die Nutzer können die dahinterliegende Power im Rahmen einer Software as a Service (SaaS) nutzen und müssen dank vieler Helferlein und intelligenter Prozesse quasi kaum mehr selbst denken. Placedise sagt dir was du im Bereich Branded Content und TV-Werbung in welchem Fall am besten wie tun solltest, bewertet bereits geschehene Maßnahmen und vereinfacht das ganze Management drum herum. Alles mit Fokus auf die tatsächliche Werbewirkung auf den Ziel-Konsumenten.

Was können Sie aus Ihren Erfahrungen die Gründung betreffend an Interessierte (Studierende) weitergeben?

Wir sind ein B2B-Unternehmen und haben eine ganze Zeit lang gebraucht, um die Unterschiede gegenüber B2C zu verstehen. Gerade in der Produktentwicklung orientiert man sich immer am Nutzer und gerade bei einem jungen Unternehmen ist es am einfachsten über den Zielnutzer zu konzipieren. Nun gibt es auch im B2C-Bereich Märkte, bei denen der Nutzer nicht der Entscheider ist. Bspw. müssen Kinderbücher dem Kind gefallen, aber von den Eltern gekauft werden. Im B2B-Software-Bereich ist es ungleich komplizierter, da hier der Nutzer fast nie der Entscheider ist und man eher mit Prozessen als mit Individuen interagiert. Beispiel Placedise: Unsere Nutzer (Fokus: Marketing, bzw. Sales) haben in der Regel keine ausreichende Entscheidungsgewalt. Wir müssen also die Person darüber überzeugen. Diese entscheidet oft aber nur fachlich. Sie muss wiederum die Stelle über sich überzeugen. Bis dahin gehen die meisten Informationen schon mal verloren. In der Regel sind am Ende noch weitere Abteilungen beteiligt, die zwar auch keine Nutzer sind, das Produkt aber fachlich bewerten sollen (bspw. die Research- und die IT-Abteilungen).

Was war das ausschlaggebende Ereignis für die Gründungsidee?

Die Grundidee war bereits 2011 in Los Angeles geboren, wo Jens diverse andere Konzepte bei Hollywood-Produzenten gepitcht hat und auf das Thema Product Placement aufmerksam wurde. Wesentlich war aber schließlich die Erkenntnis im Rahmen der massiven Masterarbeits-Recherchen zum Thema Werbewirkung, dass es kein umfassendes Mess-Modell gibt, dies mittels moderner Computeralgorithmen aber möglich sein müsste.

Welche Angebote der Uni Bayreuth im Bereich Entrepreneurship hätten Sie sich noch gewünscht?

Um ehrlich zu sein, keine. Unternehmensgründung kann man in dem Sinne nicht theoretisch lernen. Jede Gründung ist anders und konfrontiert einen mit immer neuen Problemen. Konzepte, die dieses Jahr 3 Mal groß in den Medien waren können nächstes Jahr komplett verpuffen, weil es nur ein Hype war. Gleichzeitig scheitern viele "saubere" Gründungen daran, dass es eben gerade keinen Hype zum Thema gibt und man sehr schwer an Investitionsgelder kommt. Wichtig ist der Austausch mit Gleichgesinnten, die generalistische Ausbildung an der Uni, und praktische Erfahrung. Für letzteres gibt es unsagbar viele Möglichkeiten: Von der aktiven Arbeit bei der studentischen Beratung JBB bis hin zur Organisation diverser Events. Wichtig ist, dass man proaktiv Dinge treibt und nicht darauf warten, dass einem jemand einen Fahrplan liefert. Wer auf letzteres wartet, wird auf dem Gründungsweg früher oder später mit Ansage scheitern. Der erfolgreiche Gründer, gerade wenn man kein pralles Bankkonto hat, ist ehrlicherweise am Ende doch der, der sich Nächte und Wochenenden um die Ohren schlägt und Vollgas gibt.


Wie hilfreich war/ist ein Netzwerk für ihre Gründung?

Sehr wichtig, aber abhängig vom Markt und Thema. Im B2B-Segment ist ein Branchen-Netzwerk sehr wichtig. Hier können auch Alumni-Netzwerke von Vorteil sein. Im B2C-Bereich ist das Thema ggf. weniger wichtig. Bei der Investorensuche hilft ein Netzwerk auch enorm, wobei man hier nicht vergessen darf, dass es oft wenig hilft eine E-Mail-Adresse oder LinkedIn-Kontakt zu haben - man sollte die Person auch tatsächlich kennen.

Ist es Ihrer Meinung nach einfacher, alleine zu gründen oder doch lieber im Team?

Im ersten Schritt ist es alleine sicherlich einfacher. Man muss sich nicht abstimmen, kann sein Ding machen, hat keine Streitpunkte. Langfristig geht allerdings nichts über ein gutes Team. Es gibt in jedem Projekt gewissen Down-Phasen. Hierbei ist es Gold wert, Leute um sich zu haben, die einen wieder aufbauen und weiter treiben. Wichtig ist allerdings, dass das Team eine gemeinsame Vision teilt, sich fachlich aber ergänzt. Drei Marketing-Experten treten sich früher oder später auf die Füße, weil jeder Experte im gleichen Thema ist.

Was waren rückblickend die größten Hürden und wie haben Sie diese gemeistert?

Die größte Hürde war mit Abstand die Komplexität des Marktes und innerhalb der relevanten Player. Mit unserem doch recht komplizierten Nischenprodukt sind wir auf größere Player angewiesen, die wiederum oft ziemlich lange Prozessketten haben. Hier gilt es einen langen Atem zu haben und sich Experten aus der jeweiligen Branche mit ins Boot zu holen.

Placedise ist tatsächlich operativ nur noch auf Sparflamme unterwegs, da wir es nicht geschafft haben ausreichend wiederkehrende Traction zu generieren. Bei den vielversprechendsten Projekten haben uns am Ende tatsächlich Probleme erschlagen, die kaum jemand auf dem Schirm haben kann - hierzu gehören der Putsch in der Türkei oder komplexe Korruption und deren Folgen in Afrika.


Verantwortlich für die Redaktion: Sandra Kubera

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